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Blätterhöhle

Fotos: Ralf Schaepe

Nachgraben bei den Feuersteins - Neues aus der Blätterhöhle

Vor fast genau fünf Jahren entdeckten Hobbyforscher die ältesten Westfalen überhaupt - hier bei uns in Hagen. Nur das wussten sie da noch nicht.
Was sie ahnten: Der Fund könnte eine Sensation sein. Also waren sie gaaanz vorsichtig.
Dafür sind ihnen die Archäologen Jörg Orschiedt und Werner Schön heute noch dankbar.


Wir stehen mitten auf der Terrasse. Vor weit mehr als 10 000 Jahren saß man hier vielleicht gemütlich am Steinzeitgrill beim Wildsteak.
Jetzt arbeiten sich Jörg Orschiedt und Werner Schön durch die Erde. Die beiden Archäologen tragen zentimeterweise die Zeit ab, die hier in der Erde konserviert ist.
Den Vergleich mit der Terrasse lässt sich Wissenschaftler Orschiedt durchaus gefallen.
„Der Platz war wettergeschützt, die Sonne wärmte die Felsen auf - das war bestimmt ein ganz angenehmer Ort auch bei weniger warmen Temperaturen."

Vor gut fünf Jahren hatten Hobbyforscher eine klaustrophobisch enge Höhle bei Holthausen entdeckt - und menschliche Knochen gefunden.
Gut, dass es Hobbyforscher waren: Die wissen, wie man mit solchen Funden umgeht. Sie hörten sofort auf zu graben und die Fundstelle zu zertrampeln und stellten ihre Arbeit ein. Der Archäologe Orschiedt kam, und mit ihm Kollege Werner Schön. Auch der freut sich, Schreibtisch und Computer mit einer echten Grabungsstätte tauschen zu können. Schließlich findet man hier Sachen, die das Archäologenherz höher schlagen lassen können.
Knochen und Steinwerkzeuge. Rußgeschwärzte Steine als Zeichen für eine Feuerstelle: Hier machten es sich die Feuersteins so gemütlich, wie das in der Steinzeit eben ging. Und hier war auch vermutlich der Friedhof. Im Lauf der Jahre hat Orschiedt zusammentragen können, was hier so passiert ist, damals in der Steinzeit.
„Wir wissen, dass die Leute öfter hier waren. Also nicht nur für einen Nachmittag. Sie haben Nahrung zubereitet. Haben ihre Pfeilspitzen repariert. Spitzen, die nicht mehr scharf genug waren, haben sie weggeworfen. Diese Reste haben wir gefunden."

Die Arbeiten sind in einer spannenden Phase: 2 m tief haben sich Orschiedt und Schön gebuddelt. Sie sind nun in einer Tiefe, die quasi unberührt von weiteren Umwelteinflüssen oder stöbernden Tieren ist. Was sie nun finden, liegt dort so seit tausenden von Jahren.
Archäologen interessieren sich nicht nur für die jeweiligen Fundstücke, sondern auch dafür, was noch daneben liegt. Und sie fragen sich dann, warum es hier liegt und nicht woanders. Daraus ziehen sie Schlüsse über die Lebensweise der Menschen.
Die Archäologen brauchen Geld, um weiter arbeiten zu können. Geld, dass die Stadt nicht hat. Anfang Juli ist deshalb hier vorerst Schluss. Wie es weiter geht, hängt davon ab, ob man andere Geldgeber findet.

Am 28.5.2009 berichtet der Archäologe Jörg Orschiedt im Historischen Zentrum über die Blätterhöhle an der Hünenpforte. Beginn: 19:00 Uhr.